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von Thorsten Renk
(Sammlung von Thorstens Essays und Kursen über Elbisch (englisch) mit dem Original dieses Aufsatzes: Parma Tyelpelassiva)
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Dieser Artikel will zeigen, dass die wesentlichen Merkmale des Pronominalsystems in Sindarin (S) aus folgenden Zusammenhängen hergeleitet werden können:
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a) aus der Form des Systems der Pronomen in Quenya (Q), | |
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b) aus den Lautverschiebungen, die von Common Eldarin (CE) nach Quenya stattfinden und | |
| c) aus den Lautverschiebungen von Common Eldarin nach Sindarin. |
Dies kann ohne Bezugnahme auf die belegten Sindarin-Pronomen und deren belegten Gebrauch geschehen und ist daher relativ unabhängig von grammatikalischer Deutung (lediglich gängige Lautverschiebungsregeln finden Anwendung). Nur wenn es darum geht, rekonstruierte Formen mit ihren grammatikalischen Deutungen in Übereinstimmung zu bringen, müssen wir auf das Sindarin-Korpus zurückgreifen.
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Auf der Grundlage der kurzen pronominalen Verbendungen in Quenya, der Form der unabhängigen, unbetonten Pronomen und der "Etymologies" können wir die folgende Liste von charakteristischen Konsonanten in CE entwickeln:
1. Pers. Sg.: n (LR:378) |
Anmerkungen:
| a) Wir unterscheiden in diesem Stadium nicht zwischen der 2. Person im Singular und der im Plural: Es ist belegt,
dass Tolkien seine Ansichten über die Pronomen der 2. Person immer wieder geändert hat. | |
| b) In der 3. Person scheint die Pluralform nicht durch eine Veränderung des charakteristischen Konsonanten gebildet zu werden, sondern indem der CE-Pluralmarker i hinzugefügt wird. Dennoch verwendet Quenya vorzugsweise s als Verbendung im Singular und t im Plural. Dabei weicht es möglicherweise vom ursprünglichen CE-Gebrauch der Formen ab. |
Ausgehend von diesen charakteristischen Konsonanten werden die kurzen pronominalen Verbanhänge in Quenya und die unbetonten Pronomen gebildet. Ihr Ursprung ist folgender: In CE werden die Pronomen dadurch gebildet,
dass ein Vokal an den charakteristischen Konsonanten angehängt wird. Dieser Vokal ist i in der 1. Person und a für das t der 3. Person. Das s der 3. Person kann anscheinend zwischen männlich o, weiblich e und sächlich a unterscheiden. In den übrigen Fällen ist der Vokal das e. In CE sind diese unabhängigen Pronomen in den konjugierten Verbendungen gedoppelt und führen so zu den kurzen Pronominalformen in Quenya, was hier am Beispiel von linda- (singen) gezeigt wird:
| CE: ni lindâ oder *lindâ-ni => Q: ni linda oder lindan (ich singe) | |
| CE: *ke lindâ oder *lindâ-ke => Q: *ce linda oder lindat (du singst; Q hat kein -c an letzter Stelle) | |
| CE: *le lindâ oder *lindâ-le => Q: le linda oder lindal (du singst) | |
| CE: sa lindâ oder lindâ-sa => Q: sa linda oder lindas (es singt) | |
| CE: ta lindâ oder *lindâ-ta => Q: ta linda (es singt, ?lindat wird in der 3Person Pl verwendet) | |
| CE: *me lindâ oder *lindâ-me => Q: me linda oder *lindam (wir singen; eine kurze Verbendung -m ist in Q nicht bezeugt) |
Diese Kurzformen, die nur den charakteristischen Konsonanten und einen Vokal einbeziehen, sind allerdings nicht die einzig relevanten Formen: In Quenya finden sich auch Häufungen (Cluster) von drei Buchstaben sowie der Gebrauch eben dieser Formen als betonte unabhängige Pronomen. Offenbar transportieren einige dieser Cluster mehr Information als die Kurzendungen. Wieder am Beispiel linda-):
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Q: lindanyë (ich singe) inyë linda (selbst/sogar ich singe) |
| Q: *lindatyë (du singst) *etyë linda (selbst/sogar du singst) | |
| Q: *lindaccë (du singst) *eccë linda (selbst/sogar du singst) | |
| Q: lindalyë (du singst) elyë linda (selbst/sogar du singst) | |
| Q: lindallë (du singst) *ellë linda (selbst/sogar du singst) (diese Form bezeichnet die 2Person Pl) | |
| Q: *lindaryë (er singt) *eryë linda (selbst/sogar er singt) (ohne Genusunterscheidung gebraucht, abgeleitet von *-syë) | |
| Q: lindaro (er singt) *ero linda (selbst/sogar er singt) (Gebrauch als Pronomen im Maskulinum) | |
| Q: lindarë (sie singt) *erë linda (selbst/sogar sie singt) (Gebrauch als Pronomen im Femininum) | |
| Q: lindalmë (wir singen) *elmë linda (selbst/sogar wir singen) | |
| Q: lindammë (wir singen) emmë linda (selbst/sogar wir singen) | |
| Q: lindalvë (wir singen) *elvë linda (selbst/sogar wir singen) | |
| Q: lindantë (sie singen) *entë linda (selbst/sogar sie singen) |
Anmerkungen:
| a) Wir behandeln an dieser Stelle nicht die Deutung der verschiedenen Formen für 'wir' - Tolkien hat seine Absichten hier mehr als einmal geändert. | |
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b) Die Formen -ro und -re dehnen möglicherweise einen vorangehenden Vokal. |
Die Frage ist nun, ob diese die einzelnen charakteristischen Konsonanten betreffenden Ausprägungen ein Merkmal beschreiben,
dass schon in CE präsent war, oder ob es sich dabei um ein Phänomen handelt, dass
seinen Ursprung ausschließlich in Quenya hat. Wenn wir die Vermutung anstellen,
dass sie in CE nicht präsent sind, können wir das versuchsweise überprüfen, indem wir die Beugung der Verben in Sindarin lediglich anhand der einfachen Formen nachvollziehen:
| CE: *lindâ-me -> *linna-ve -> *linna-v -> S: **linnaf |
Das ist jedoch nicht, was wir beobachten. Folgendes hingegen ist belegt:
| CE: *lindâ-mme -> *linna-mme -> *linna-m -> S: linnam (doppeltes mm wird nicht mutiert) |
Demnach sollten wir also die per Cluster ausgeprägte Variante der charakteristischen Konsonanten in die CE-Konjugation einbeziehen.
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Q: nye CE: nye S: ne (cf. CE: NYEL- (singen), Q: nyellë (Glocke) S: nell (Glocke)) |
| Q: tye CE: cye S: ce (cf. CE: KYELEP- (Silber) Q: tyelpë (Silber) S: celeb (Silber)) | |
| Q: cce CE: cce S: che (cf. Q: rocco (Pferd) S: roch (Pferd)) | |
| Q: lye CE: lye S: le (cf. vielleicht Q: alya (reich) S: galu) | |
| Q: lle CE: lle S: lle | |
| Q: rye CE: sye S: se (cf. CE: PIS-, Q: pirya (Sirup)) | |
| Q: ro CE: so S: so | |
| Q: re CE: se S: se | |
| Q: mme CE: mme S: me | |
| Q: nte CE: nte S: nte (cf. Q: anta- (geben) S: ant (Gabe)) |
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| CE: *lindâ-nye -> *linna-ne -> *linna-n -> S: linnon (Die Lautverschiebung a->o in der 1. Person Sg. behandeln wir an dieser Stelle nicht) | |
| CE: *lindâ-cye -> *linna-ge -> *linna-g -> S: *linnag | |
| CE: *lindâ-lye -> *linna-le -> *linna-l -> S: *linnal | |
| CE: *lindâ-cce -> *linna-che -> *linna-ch -> S: *linnach | |
| CE: *lindâ-sye -> *linna-he -> *linna-h -> S: linna | |
| CE: *lindâ-nte -> *linna-nte -> *linna-nt -> S: ?linnant |
Ich möchte noch einmal betonen, dass es gute Argumente dafür gibt, dass *linnal und *linnag eher zu *linnog und ?linnol werden könnten, wohingegen die längere CE-Form lle dann das ausgeprägte *linnal hervorbringen würde. Das ist jedoch nicht das Hauptthema dieses Artikels. Darüber hinaus ist es unklar, ob die ausgeprägten Formen -nyë, -lyë, -syë, -cyë wirklich die in Sindarin beobachteten Endungen bewirken würden. Auf jeden Fall ändert sich das Ergebnis nicht, wenn man stattdessen eine CE-Verbbeugung mit den kurzen Varianten -ni, -le, -se, -ce annimmt.
Die bloße Anwendung relativ einfacher Lautverschiebungsregeln bildet jedenfalls die ganze Bandbreite beobachteter Sindarin-Verbendungen nach. Man sollte beachten,
dass sich die Endung für die 3. Person Pl. mit einer anderen Form decken würde: mit der des Imperfekts. Es gibt also einen ziemlich logischen Grund, weshalb diese Form durch die Verwendung des Pluralmarkers -r ersetzt werden sollte, um die 3. Person Pl. zu bezeichnen.
Als nächstes zeigen wir, welche Formen entstehen, wenn man die Lautverschiebungsmechanismen auf die betonten und unbetonten Quenya-Pronomen anwendet:
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Q: inye CE: *inye S: *in |
| Q: *etye CE: *ecye S: *eg | |
| Q: *ecce CE: *ecce S: *ech | |
| Q: elye CE: *elye S: l*el | |
| Q: *elle CE: *elle S: *el | |
| Q: *erye CE: *esye S: e | |
| Q: *ero CE: *eso S: e | |
| Q: *ere CE: *ese S: e | |
| Q: emme CE: *emme S: *em | |
| Q: *ente CE: *ente S: ?ent |
Das ist dem, was tatsächlich beobachtet werden kann, bereits ähnlich - wir finden eine allgemeine Form für die 3. Person ohne Genusunterscheidung, e (wenn man bedenkt,
dass ho in den "Etymologies" mit 'er' glossiert wird und he mit 'sie', ist es ziemlich überraschend, im "King's Letter" e für 'er' vorzufinden), und wir finden eine weitere Form, die fast wie im (ich) aussieht. Diese Form würde sich jedoch mit der des bestimmten Pluralartikels decken (der in Sindarin sehr häufig gebraucht wird), so
dass dies ein Beweggrund wäre, diesen Konsonanten durch den charakteristischen Konsonanten der 1. Person Pl. zu ersetzen, wobei der Unterschied durch die merkwürdige Wahl des Vokals i in der 1. Person Sg. nach wie vor offenkundig wäre.
| Q: ni CE: *ni S: *ni | |
| Q: *ce CE: *ce S: *ce | |
| Q: le CE: *le S: *le | |
| Q: me CE: *me S: *me | |
| Q: so CE: *so S: *so | |
| Q: se CE: *se S: *se | |
| Q: sa CE: *sa S: *sa | |
| Q: ta CE: *ta S: *ta |
Keine dieser Formen ist für Sindarin im Nominativ nachgewiesen, doch der Eintrag zum Stamm S- weist darauf hin,
dass Tolkien sich zu der Zeit, als er die "Etymologies" verfasst hat, eine Lenierung bei den Nominativpronomen vorstellte. Das macht es möglich, *so, *se, *sa mit ho, he, ha zu identifizieren. Die übrigen unbetonten Pronomen scheinen eine stichhaltige Grundlage für die zuverlässiger belegte Bildung der Objekt-Pronomen zu bilden, die wir im zweiten Teil dieses Artikels behandeln werden.
Wenn man also phonetische Argumente anbringt, kann man Folgendes feststellen: Wir finden
|
a) die vollständige Reihe der Sindarin-Verbendungen, | |
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b) etliche betonte Pronomen, die (teilweise) mit den belegten Formen in Übereinstimmung gebracht werden können, | |
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c) etliche unbetonte Pronomen, die einen guten Ausgangspunkt für die Bildung direkter Objekte zu bilden scheinen. |
Ich weise noch einmal darauf hin, dass indiziengestützte Vermutungen bezüglich grammatikalischer Deutung des Sindarin in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen: Die zugrundeliegenden Konzepte wenden Lautverschiebungsmechanismen an, die in einigen 100 Einträgen in den "Etymolgies" zugänglich sind, in denen sowohl Q- als auch S-Formen aufgeführt sind und die ebenfalls der Ursprung der den Sindarin-Schreibern bekannten Mutationstafeln sind.
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| lassë lanta (ein Blatt fällt) (QGS) | |
| lassi lantar (Blätter fallen) (QGP) | |
| ni lanta (ich falle) (QGS) | |
| sa lanta (es fällt) (QGS) | |
| lantas (es fällt) (Q3S) | |
| emmë lantar (wir fallen) (QGP) | |
| lantantë (sie fallen) (Q3P) |
bei A-Verben und
| elda carë (ein Elb macht) (QGS) | |
| eldar carir (Elben machen) (QGP) | |
| ni carë (ich mache) (QGS) | |
| sa carë (es macht) (QGS) | |
| caris (es macht) (Q3S) | |
| emmë carir (wir machen) (QGP) | |
| carintë (sie machen) (Q3P) |
bei einfachen Verben. Prinzipiell ist es wohl einfacher, QGS mit Q3S zu verwechseln als mit irgendeiner anderen Pronominalform im Singular ("fällt" vs. "er/sie/es fällt"), weil Sätze, die zwar ein Verb enthalten, aber das Pronomen nicht durch die Konjugationsendung des Verbs ausdrücken, eher selten sind. In ähnlicher Weise ist der
'natürliche Partner', mit dem man QGP verwechseln könnte, Q3P ("fallen" vs. "sie fallen").
Folglich haben wir zwei unterschiedliche Quenya-Formen, an denen wir die Lautveränderungen durchführen können, um ihre möglichen Sindarin-Entsprechungen zu finden:
A-Verben:
| Q3S lindas führt zu S3S linna | |
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QGS linda führt zu SGS ?linn (oder vielleicht ?lind) | |
| Q3P lindantë führt zu S3P ?linnant | |
| QGP lindar führt zu SGP linnar |
Einfache Verben:
| Q3S caris führt zu S3S ?ceri | |
| QGS carë führt zu SGS *car (das ist beinahe câr) | |
| Q3P carintë führt zu S3P ?cerint | |
| QGP carir führt zu SGP cerir |
Tatsächlich findet man in Sindarin in beiden Fällen nur eine der zwei möglichen Formen, also sind möglicherweise S3S und SGS miteinander verschmolzen, eventuell auch SGP und S3P (damit ist gemeint,
dass dannar vermutlich sowohl "fallen" als auch "sie fallen" ausdrückt). Was die drei oder vier verworfenen Formen betrifft, sind wir jedoch in der Lage, einen einleuchtenden Grund anzuführen, aus dem diese Formen tatsächlich nicht bevorzugt werden sollten:
SGS bei den A-Verben stimmt überein mit der Form von Nomen, die ausgehend von Verben gebildet werden, was im Fall der A-Verben häufig dadurch geschieht,
dass das auslautende -a wegfällt (cf. das Muster maetha -> maeth (Kampf)).
S3P bei den A-Verben stimmt, wie bereits oben erwähnt, mit der Imperfekt-Form überein.
S3S bei einfachen Verben stimmt schließlich mit der in den "Etymolgies" belegten Infinitiv-Form überein.
Schlussbemerkung: Aufgrund der Beschaffenheit dieser allgemeinen Form ist es klar, warum wir kein CE-Pronomen **re erwarten. Ähnlich: Verbformen auf -r würden nur dann auftauchen, wenn ein Subjekt im entsprechenden Satz ausdrücklich erwähnt ist. Eine Partikel, die nichts weiter aussagen kann, als
dass sie selbst Plural ist, ist jedoch nicht notwendig.