Autor: Helge Fauskanger - Übs. B. Raßbach
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Blau geschriebene Abschnitte sind abgeändert, um sie an die deutsche Grammatik anzupassen!
Imperativsätze
können pronominale Elemente enthalten. Diese Pronomen können sich entweder auf
das Subjekt des Imperativsatzes
beziehen (auf die Partei, die gefragt wird oder der angeordnet wird, etwas zu
tun), oder auf das direkte oder indirekte Objekt
der erbetenen Handlung.
Optionale
Subjektpronomen können hineinschlüpfen, um klarzustellen, ob der Sprecher von einer
oder von mehreren Personen möchte, dass sie etwas tun. Ausgehend von dem
Imperativ-Ausruf heca! „geh weg!“
oder „bleib weg!“ notierte Tolkien, dass dieses Wort „oft“ in einer
erweiterten Form „with reduced pronominal affixes of the 2nd person“
erscheint (mit reduzierten pronominalen Vorsilben der 2. Person, WJ:364). Wenn
eine einzelne Person Adressat eines
Imperativ ist, kann es das Suffix -t
erhalten (zweifellos verwandt mit dem Singular-Objektpronomen tye „dich“). Während also der Imperativ heca! an eine oder mehrere Personen gerichtet sein könnte, ist die
erweiterte Form hecat! ausdrücklich
als Einzahl gekennzeichnet. Sie könnte übersetzt werden mit „scher dich
weg“ (Vielleicht lautete Feanors harsche Zurückweisung von Melkor gegen Ende
des 7. Kapitels des Silmarillion, als
dieser nach Formenos kam und die übersetzt ist mit „get thee gone from
my gate“, so etwa wie hecat
andonyallo im Original in Quenya?) Tolkien notierte weiter, dass der
einfache Imperativ heca! im Plural
die Endung -l erhalten kann, folglich
ist hecal! ein Befehlt mit mehreren
Adressaten: „schert euch weg, ihr [alle]!“ Diese Beispiele zeigen auch, dass
Tolkien, als er dies schrieb, zu dem Punkt gekommen war, an dem er die
Unterscheidung zwischen den „T“-Formen und den „L“-Formen der 2. Person
primär als Unterscheidung zwischen Einzahl „du“ und Plural „ihr“ sah.
Natürlich ist die Angelegenheit etwas verwaschen durch die Tatsache, dass „L“-Formen
wie die Endung -l oder -lyë auch als höfliche
Einzahl „du“ dienen (im Namárië übersetzt mit „thou“). Natürlich kann niemand sagen,
ob die Endung -l in einer
Imperativwendung verwendet werden kann, um eine „höfliche“ Anordnung an
einen einzelnen Adressaten zu formulieren.
Hecat! Einzahl und hecal! Plural
sind unsere einzigen attestierten Beispiele für den diesbezüglichen Gebrauch
von -t und -l. Der Imperativ heca!
ist vielleicht kein besonders typischer Imperativ. Wie in Lektion 16
herausgestellt wird normalerweise an Stelle der Endung -a ein unabhängiger Partikel á
(oder a) verwendet, in Kombination
mit einem folgenden Verbstamm. Zu den attestierten Beispielen gehören á
vala! „herrsche“ und a laita!
„preise / preist“. Wenn die Endungen -t,
-l in eine solche Formulierung schlüpfen sollen, müssen sie
wahrscheinlich an den Verbstamm angehängt werden, z. B. a laitat! „preise“ (an eine Person gerichtet), a laital! „preist“ (an mehrere gerichtet).
Laita- „preisen, rühmen“ ist natürlich ein A-Stamm.
Primärverben wie car- „machen,
tun“ erscheinen in solchen Befehlen mit der Endung -ë, wie aus dem verneinenten Imperativ áva carë! „tu [es] nicht“ deutlich wird (WJ:371).
Dieses -ë stammt fast mit Sicherheit
von einem früheren -i, und vor
Endungen würden wir nach wie vor -i-
sehen, genau wie in der Aorist-Form dieser Verben. Folglich vielleicht áva carit! „Tu [es] nicht!“ (an eine Person gerichtet),
Plural áva caril! „tut es
nicht!“ (an mehrere gerichtet). Und ohne Verneinung wie á tulë! „komm!“ hätten wir wahrscheinlich ähnlich á
tulit!, wenn eine Person gebeten wird zu kommen, während á
tulil! sich auf mehr als einen beziehen würde: „kommt, ihr!“
Eine
Imperativwendung könnte auch pronominale Elemente enthalten, die sich auf das
direkte oder indirekte Objekt der
gefragten Aktion beziehen. In der vorangegangenen Lektion haben wir auf
verschiedene unabhängige Pronomen verwiesen. Nye
„mich“, me „uns“, le „euch“, tye
„dich“, ta „es“ und te „sie“ können alle als unabhängige Wörter auftreten; tatsächlich
betrifft unser einziges Zeugnis für te
„sie“ eine Imperativwendung, wo das Wort für sich selbst auftaucht: A
laita te, laita te! „rühmt sie, rühmt sie!“ (aus dem Cormallen Praise).
Doch Tolkiens Quenyaübersetzung des Vater Unser deutet an, dass Objektpronomen
auch angehängt an den
Imperativpartikel á auftauchen können.
Das Prinzip kann anhand eines hausgemachten Beispiels dargelegt werden:
Betrachten wir eine einfache Imperativwendung wie „beobachte!“. Wenn wir
sagen wollen „beobachte sie“, mit Einfügen des Objektpronomens te,
wäre es möglich, es auf das Verb folgen zu lassen (wie in dem attestierten
Beispiel a laita te „rühmt
sie“), also á tirë te. Doch es wäre
offensichtlich auch zulässig, das Objektpronomen vor dem Verb kommen zu lassen,
und in diesem Fall würde es sich mit dem Imperativpartikel á verbinden „Beobachte sie!“ könnte dann átë tirë! lauten.
ANMERKUNG:
Da te „sie“ nun zur letzten Silbe
eines mehrsilbigen Wortes wird, erfordern die übernommenen Schreibkonventionen,
dass das finale -e hier mit Diärese
geschrieben wird: -ë. Dasselbe geschähe
mit dem finalen -e der Objektpronomen
nye, me, le, tye, wenn sie direkt an á
angehängt würden - z. B. ámë
tirë „beobachte uns“. Natürlich ist das nur eine
orthographische Schwierigkeit, die nichts mit der Struktur der Sprache zu tun
hat: in vielen Texten verwendet Tolkien überhaupt keine Diärese.
Auch
Dativ-Pronomen (wie nin
„mir“, men „uns“, tien „ihnen“) können direkt an den
Imperativpartikel á angehängt werden; zumindest Tolkiens Vaterunser auf
Quenya enthält ein Beispiel für men, das auf diese Weise als Nachsilbe
verwendet wird. Eine Wendung wie, sagen wir mal, „Sing für uns!“ könnte
somit wiedergegeben werden mit ámen linda!
Was passiert, wenn eine
Imperativwendung zwei Pronomen enthält, die sowohl ein direktes als auch
indirektes Objekt bezeichnen? Wir haben kein Tolkien-gemachtes Beispiel, das uns
leiten kann, aber der Imperativ-Partikel kann kaum mehr als ein pronominales
Suffix erhalten, und das Beispiel a laita te deutet an, dass ein Pronomen
nicht notwendigerweise an den Partikel angehängt werden muss.
Es wäre also sicher zulässig, eines der Pronomen, entweder für das direkte
oder für das indirekte Objekt, als eigenständiges Pronomen zu belassen und nur
das andere an den Partikel á anzuhängen. „Tu es für
mich!" könnte dann entweder ánin
carë ta! heißen oder áta
carë nin!, je nach Wunsch. (Vielleicht könnte man auch ánin
caritas! sagen,
unter Verwendung eines erweiterten Verbstammes carita- und dem Suffix -s
für „es“.)
Tolkiens Übersetzung von „führe uns nicht in Versuchung“ in seinem Quenya-Vaterunser enthüllt, dass die verneinte Form des Imperativpartikels („führe ... nicht“, wörtlich „tu nicht...“, im Englischen heisst diese Passage „do not lead us into temptation“) ebenfalls pronominale Affixe erhalten kann. Um 1960, in Quendi and Eldar, verwendete Tolkien áva als verneinten Imperativ, wobei er den Imperativpartikel á kombinierte mit der Verneinung vá (-va). In seiner früheren Vaterunser-Übersetzung verwendete er ein etwas anderes Wort für „tu nicht“ (ála, das die Verneinung lá verkörpert, anstelle von vá), aber es gibt hier keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Pronomen, die das direkte oder indirekte Objekt bezeichnen, nicht ebenso gut an die spätere Form áva angehängt werden können. Während als „bewache uns!“ offensichtlich übersetzt werden könnte mit ámë tirë!, wäre der verneinte Befehl „bewache uns nicht!“ wahrscheinlich übersetzt ávamë tirë!.